von Cote Zuazu Moneo, 4. Kurs
1912 wurde die alte städtische Wassermühle, die mit kegelförmigen Steinen das Weizenkorn mahlte, in eine moderne Stadtmehlfabrik verwandelt, deren Mahlsystem übrigens das deutsche System “Buhler” war.
Wer der neue Müller würde, war ein junger Spezialist für die ersten Verbrennungsmotoren und auch für Wasserfälle, denn seine Familie mahlte Kakao in einer kleinen Wassermühle, die noch zwischen Tudela und Fontellas liegt und als “Molino de Caritat” genannt wird. Er besaß das erste Motorrad in Tudela, welches Holzfeuer brauchte, um den Motor warm laufen zu lassen. (Später hatte der Schmied Santiago Marsellá in den zwanziger Jahren das erste “Harley Davidson” Motorrad, das in Tudela hin und her fuhr. Dieser Schmied, deren Schmiede natürlich in der Herrerías Straße lag, war sehr berühmt, denn er brachte den ersten Kinoprojektor nach Tudela.)
Die Reihe von glänzenden Zylindermühlen und die Siebzylinder, um die Spreu vom Weizen zu trennen, verteilen sich zwischen den verschiedenen Stockwerken des Gebäudes, das über dem Kanal, wessen Wasserfall die neue Turbine bewegte, errichtet wurde.
Das Wasser fuhr unter die Mühle hindurch, um später durch die Spitzbögen aus Stein frei zu fließen. (Leider kann man heutzutage dieses romantische Bild nicht sehen, weil der Kanal fast verdeckt ist.)
Der junge Müller wurde nach Madrid entsendet, um das Mahlsystem Buhler zu erlernen. Er kehrte mit seinem Müllerchefdiplom nach Tudela zurück.
Die Fuhrwerke und die Karren, die von Weizenähren wimmelten, füllten den Vorplatz. Während die Maultiertreiber ihre Verpflegungen kochten, soffen die Tiere auf der Tränke am Kanal.
Der starke Weizen, der zu dieser Zeit aus dem unbewässerten Land kam, war des Müllers Lust, weil man damit ein gutes Mehl erzeugen konnte. (Das Wandern (*) auch, natürlich!)
Nach dem Spanischen Bürgerkrieg fing der Niedergang der Mehlfabrik. Der Weizen war knapp, und die ganze Weizenernte wurde von dem Weizenstaatlichdienst kontrolliert. Der Platz vor der Mühle wurde nicht mehr von den wimmelnden Karren ausgefüllt. Endlich wurde 1967 die Mehlfabrik endgültig geschlossen. Der Müller starb genau dieses Jahr.
Die alte Mühle gewährt heute Obdach der Stadtpolizei.
Der Enkel des Müllers lernt heute Deutsch an der E.O.I. von Tudela, und widmet diese bescheidene Chronik seinem Gedächtnis.
(*) Ein Lied von Franz Schubert, aus der Sammlung “Die schöne Müllerin”, “Das Wandern ist des Müller Lust…” Auch kann man diese Geschichte mit dem Lied “In einem kühlen Grunde” begleiten.
Abgelegt unter : Allgemeinbildung&Klavier, Tudela & seine Ribera

So, so , du bist also der Enkel des Müllers? Tja, die Enkelin eines Müllers war auch vor einigen Jahren an der EOI Tudela!!! Des Müllers Lust war in diesem Fall die Zarzuela (tja, u. a. denn er war so ein “lebendiger” und humorvoller Mensch). Er hatte die beste -und vor allem die höchste- Stimme, die ich je gehört habe und hat in den 50er und 60er Jahren zahlreiche Aufführungen veranstaltet. Seine Frau und Töchter haben die Kleider genäht und meine Mutter erinnert sich noch an die langen Proben zu Hause. Schade, dass ich das alles nicht miterlebt habe, aber vor allem Schade, dass ich DIE Stimme nicht geerbt habe.
´ne schöne Widmung haste geschrieben!
Übrigens, weißt du wer Peter Panter war? Das war auch meine noch bescheidenere Widmung dieses Jahres.
Peter Panter, geboren Kurt Tucholsky, berliner wie du und ich.
Petra Panter kommt trotzdem aus Zamora, oder?
Ja, natürlich bin ich der Enkel des Müllers. Die Enkelin des Müllers von Zamora teilt sich auch mit dem Enkel des Müller von Tudela ihre Liebe zur Musik und zur deutsche Kultur von Bach und Mozart bis Comedian Harmonist. So ein zufall!
Wärest du so freundlich eine kurze Geschichte von Peter Panter – Kaspar Hauser schreiben, um durch den Wegblog zu veroffentlichen? Deine Schüler aber trotzdem Freunde danken dir!